Wie funktioniert eine Sickergrube?
Das zufliessende Wasser gelangt in einen gemauerten oder mit perforierten Betonringen ausgekleideten Schacht. Über die offene oder durchlässige Sohle und die seitlichen Öffnungen sickert das Wasser langsam in den umgebenden Boden. Eine Kiesschüttung um die Grube vergrössert die Versickerungsfläche und verhindert, dass sich die Sohle zu schnell zusetzt.
Damit die Versickerung dauerhaft funktioniert, muss der Untergrund ausreichend durchlässig sein – etwa Kies oder Sand. Bei bindigen, lehmigen Böden versickert das Wasser zu langsam, und die Grube läuft über. Feststoffe und Schwebstoffe im Wasser setzen sich am Boden ab und bilden mit der Zeit eine Schlammschicht, die die Versickerung blockiert.
Sickergrube und Jauchegrube – nicht verwechseln
Eine Sickergrube ist bewusst wasserdurchlässig und gibt Wasser an den Boden ab. Eine Jauchegrube (Güllegrube) hingegen ist vollständig dicht und speichert Gülle oder Abwasser, bis sie abgepumpt und fachgerecht entsorgt wird. Die beiden Bauwerke haben also gegensätzliche Aufgaben.
Aus Gewässerschutzgründen dürfen in der Schweiz Sickergruben heute nur noch für unbelastetes Regenwasser oder gereinigtes Wasser genutzt werden. Häusliches oder gewerbliches Schmutzwasser gehört in die Kanalisation oder in eine dichte Grube – niemals in eine Sickergrube, da sonst Schadstoffe direkt ins Grundwasser gelangen.
Warum eine Sickergrube gereinigt werden muss
Sand, Laub, Feinsedimente und organisches Material sammeln sich am Grubenboden und dichten mit der Zeit die Versickerungsfläche ab. Ist die Sohle verschlammt, kann das Wasser nicht mehr abfliessen, die Grube läuft über und bei Starkregen droht Wasser auf dem Grundstück oder im Keller.
Bei der Schachtreinigung wird der abgelagerte Schlamm mit einem Saug- oder Kombifahrzeug entfernt und die Sohle wieder freigelegt. Je nach Belastung empfiehlt sich eine Kontrolle und Reinigung alle ein bis drei Jahre. Eine Kanal-TV-Inspektion zeigt zudem, ob Wandung und Zuläufe noch intakt sind.
Bei einem Einfamilienhaus im Zürcher Weinland staute sich nach jedem Gewitter Wasser auf dem Vorplatz. Die Sickergrube war über Jahre nicht gewartet worden und die Sohle mit einer dicken Sand- und Laubschicht zugesetzt. Nach dem Absaugen des Schlamms und dem Freilegen der Versickerungsfläche sickerte das Regenwasser wieder problemlos ab – der Rückstau blieb aus.
