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Inspektion

Kamerabefahrung im Kanal: Ablauf, Technik & Nutzen

Nenad Filipovic
6 Min. Lesezeit
22. August 2026
Aktualisiert: 22. August 2026
Kamerabefahrung im Kanal mit selbstfahrendem Kamerawagen zur Rohrinspektion

Bei einer Kamerabefahrung fährt ein ferngesteuerter Kamerawagen oder eine Schiebekamera durch den Kanal und überträgt Live-Bilder auf einen Monitor. So werden Risse, Wurzeleinwüchse, Ablagerungen, Rohrbrüche und Muffenversätze millimetergenau sichtbar, ohne dass ein einziger Meter Boden aufgegraben werden muss. Die Kamerabefahrung ist damit das zentrale Diagnosewerkzeug der modernen Kanaltechnik: Sie zeigt exakt, wo ein Schaden liegt, wie gross er ist und welche Sanierung nötig wäre.

Was ist eine Kamerabefahrung überhaupt?

Die Kamerabefahrung, auch Kanal-TV-Inspektion oder Rohrinspektion genannt, ist die visuelle Untersuchung von Abwasser-, Grund- und Regenwasserleitungen mit einer speziellen Kanalkamera. Anders als beim blossen Ausspülen liefert sie ein dokumentiertes Bild vom Innenleben der Leitung. Fachbetriebe setzen sie ein, um die Ursache einer Verstopfung zu finden, den Zustand vor einem Immobilienkauf zu prüfen oder eine geplante Sanierung präzise vorzubereiten. Gerade weil Kanäle unter der Erde liegen, ist das Kamerabild oft die einzige Möglichkeit, den tatsächlichen Zustand zu beurteilen.

Welche Kameratechnik kommt zum Einsatz?

Je nach Rohrdurchmesser und Länge werden zwei Systeme genutzt. Für kürzere Leitungen und Hausanschlüsse ab etwa 40 Millimetern eignet sich die Schiebekamera: Ein flexibles Kabel mit Kamerakopf wird von Hand vorgeschoben. Für grössere Kanäle ab rund 100 Millimetern kommt ein selbstfahrender Kamerawagen zum Einsatz, dessen Kopf sich drehen und schwenken lässt, sodass auch Abzweige und Muffen aus jedem Winkel begutachtet werden können.

Moderne Kameras verfügen über eine leistungsstarke LED-Beleuchtung, hochauflösende Optik und einen integrierten Sender, den sogenannten Transponder. Über diesen lässt sich die Position der Kamera von der Oberfläche aus mit einem Ortungsgerät exakt bestimmen. So weiss der Techniker auf den Zentimeter genau, wo unter dem Garten oder der Einfahrt der Schaden liegt, was für eine spätere punktuelle Reparatur entscheidend ist.

Wie läuft die Kamerabefahrung Schritt für Schritt ab?

Zuerst verschafft sich der Techniker Zugang zur Leitung, meist über einen Kontrollschacht, einen Bodenablauf oder eine geöffnete Reinigungsöffnung. Ist die Leitung stark verschmutzt, wird sie vorab mit einer Hochdruckreinigung gespült, denn nur eine saubere Rohrwand liefert aussagekräftige Bilder. Anschliessend wird die Kamera eingeführt und langsam durch den Kanal geführt.

Während der Befahrung beobachtet der Fachmann das Live-Bild und dokumentiert jede Auffälligkeit mit Metermarke. Auffällig sind etwa Wurzeln, die durch Muffen wachsen, Scherbenbildung bei Rissen, abgesackte Rohrabschnitte, Inkrustationen oder eingedrungenes Fremdwasser. Am Ende erhält der Kunde einen Inspektionsbericht mit Video, Fotos und einer Zustandsbewertung nach den gängigen Schadensklassen. Diese Dokumentation ist die Grundlage für jede weitere Entscheidung.

Welche Schäden lassen sich erkennen?

Das Kamerabild macht das ganze Spektrum typischer Kanalschäden sichtbar. Dazu zählen Längs- und Querrisse, aus denen mit der Zeit Scherben brechen, sowie Muffenversätze, bei denen zwei Rohrabschnitte nicht mehr bündig aneinanderliegen und Fugen offenstehen. Häufig zeigen sich Wurzeln, die durch undichte Muffen ins Rohr gewachsen sind und dort ganze Wurzelballen bilden. Ebenso erkennbar sind Inkrustationen, also harte Ablagerungen aus Kalk und Mineralien, Ablagerungen aus Fett und Sand sowie Korrosion bei alten Metallleitungen.

Darüber hinaus deckt die Kamera bauliche Probleme auf, die sonst verborgen blieben: abgesackte oder in der Höhe verschobene Rohrabschnitte, ein falsches Gefälle, in das Rohr hineinragende Anschlüsse sowie eingedrungenes Fremdwasser, das auf eine undichte Stelle hinweist. Jede dieser Beobachtungen wird mit der Metermarke und einer Zustandsklasse festgehalten, sodass sich ein präzises Schadensbild der gesamten Leitung ergibt. Diese Genauigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass später gezielt und ohne unnötiges Aufgraben repariert werden kann.

Wann ist eine Kamerabefahrung sinnvoll?

Eine Kamerabefahrung lohnt sich in mehreren Situationen. Bei wiederkehrenden Verstopfungen zeigt sie, ob eine bauliche Ursache wie ein Rohrbruch oder ein Wurzeleinwuchs dahintersteckt statt nur Fett und Ablagerungen. Vor einem Immobilienkauf gibt sie Sicherheit über den Zustand der oft jahrzehntealten Grundleitungen und schützt vor bösen Überraschungen nach dem Kauf. Nach Bauarbeiten dient sie als Abnahmeprüfung, um sicherzustellen, dass die Leitungen unbeschädigt und korrekt verlegt sind, und bei feuchten Kellerwänden hilft sie, undichte Stellen zu lokalisieren.

Auch im Rahmen der vorbeugenden Instandhaltung ist die regelmässige Kontrolle empfehlenswert. Wer den Zustand seiner Leitungen kennt, kann kleinere Schäden frühzeitig beheben, bevor daraus ein teurer Rohrbruch mit Aufgrabung wird. Liegenschaftsverwaltungen nutzen die Kamerabefahrung deshalb als festen Bestandteil ihrer Unterhaltsplanung. Die Kamerabefahrung ist somit nicht nur Diagnose, sondern auch aktive Werterhaltung der Liegenschaft, die sich langfristig auszahlt.

Wie bereite ich die Kamerabefahrung vor?

Eine gute Vorbereitung erhöht die Aussagekraft der Befahrung. Wichtig ist, dass der Fachbetrieb Zugang zu einem geeigneten Einstiegspunkt erhält, etwa einem Kontrollschacht, einer Reinigungsöffnung oder einem Bodenablauf. Ist die Lage der Schächte unbekannt, hilft die Ortung über den Kamerasender, sie freizulegen. Stark verschmutzte Leitungen sollten vor der Inspektion gespült werden, da nur eine saubere Rohrwand ein klares Bild liefert. Deshalb ist die Kombination aus Hochdruckreinigung und anschliessender Kamerabefahrung so verbreitet.

Für den Kunden bedeutet das wenig Aufwand: Er stellt den Zugang sicher und schildert dem Techniker die beobachteten Probleme, etwa wo und wann Verstopfungen auftreten oder wo Feuchtigkeit sichtbar ist. Diese Hinweise helfen, die Inspektion gezielt auf die kritischen Abschnitte zu lenken. Nach der Befahrung erhält der Kunde den vollständigen Bericht mit Videomaterial, den er auch für Versicherungen, Käufer oder Handwerker verwenden kann.

Was kostet eine Kamerabefahrung in der Schweiz?

Die Kosten hängen von Leitungslänge, Zugänglichkeit und benötigter Technik ab. Als Richtwert liegt eine Kanal-TV-Inspektion ab rund CHF 50, hinzu kommen der Stundenansatz von etwa CHF 160 pro Stunde sowie eine Anfahrtspauschale von etwa CHF 60. Diese Werte können je nach Aufwand um plus/minus 15 Prozent abweichen. Oft wird die Kamerabefahrung mit einer Kanalreinigung kombiniert, was Anfahrt und Rüstzeit spart. Ein transparentes Angebot vor Arbeitsbeginn schafft Klarheit über den zu erwartenden Betrag.

Vom Bild zur Lösung

Der grösste Nutzen der Kamerabefahrung liegt darin, dass sie Rätselraten überflüssig macht. Statt vorschnell aufzugraben oder immer wieder nur oberflächlich zu spülen, wird die Ursache eindeutig identifiziert. Auf dieser Basis lässt sich die passende Massnahme wählen, sei es eine gezielte Hochdruckreinigung, eine grabenlose Rohrsanierung mit Inliner oder eine punktuelle Reparatur. So bleiben Eingriffe minimal und Kosten kalkulierbar.

Sie vermuten einen Schaden im Kanal oder brauchen eine dokumentierte Zustandsprüfung? Karo Kanaltechnik führt Kamerabefahrungen mit moderner Technik in der ganzen Region durch und ist im Notfall rund um die Uhr für Sie da. Rufen Sie uns an unter +41 43 588 12 08, unser 24/7-Notfalldienst steht Ihnen jederzeit zur Verfügung.

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Nenad Filipovic

Autor · Karo Kanaltechnik GmbH

Schlagwörter

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