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Inliner-Technologie im Detail: So funktioniert der Kanal-Inliner

Nenad Filipovic
8 Min. Lesezeit
22. August 2026
Aktualisiert: 22. August 2026
Kanal-Inliner-Technologie im Detail bei grabenloser Rohrsanierung in der Schweiz

Die Inliner-Technologie erneuert Kanäle von innen: Ein mit Kunstharz getränkter Schlauch wird in die bestehende, defekte Leitung eingebracht, an die Rohrwand gepresst und ausgehärtet, sodass ein neues, dichtes und statisch tragfähiges Rohr im alten Rohr entsteht – ohne Aufgraben. Fachlich spricht man von Cured-In-Place-Pipe (CIP). Diese Technik gehört zu den bewährtesten Verfahren der grabenlosen Kanalsanierung und hat die Instandsetzung von Abwasserleitungen grundlegend verändert.

Das Prinzip klingt einfach, die Ausführung erfordert jedoch präzise Technik und Erfahrung. Im Folgenden erklären wir die Inliner-Technologie Schritt für Schritt – von den Materialien über den Einbau bis zur Statik – damit Sie verstehen, was bei einer grabenlosen Sanierung tatsächlich geschieht. Dieses Wissen hilft Ihnen, Angebote fundiert zu vergleichen und die richtigen Fragen zu stellen.

Das Grundprinzip: Rohr im Rohr

Der Inliner nutzt die alte Leitung als Form. Der harzgetränkte Trägerschlauch legt sich vollflächig an die Rohrinnenwand an und härtet dort zu einem festen Verbundrohr aus. Nach dem Aushärten ist der Inliner mit der Altleitung verbunden und übernimmt deren tragende Funktion – oder ersetzt sie sogar statisch vollständig. So entsteht aus einem undichten Altrohr eine neuwertige Leitung, ohne dass ein einziger Meter Boden aufgegraben werden muss.

Die Materialien

Der Trägerschlauch besteht aus Nadelfilz oder Glasfaser. Nadelfilz ist flexibel und eignet sich für Bögen und Hausanschlüsse, Glasfaser ist hochfest und formstabil für höhere Belastungen. Als Harz kommen Epoxid-, Polyester- oder Vinylesterharze zum Einsatz. Die Kombination aus Trägermaterial und Harz bestimmt Festigkeit, chemische Beständigkeit und Lebensdauer des fertigen Inliners. Für jede Situation gibt es die passende Materialkombination.

Der Einbau: Inversion oder Einzug

Beim Inversionsverfahren wird der Liner mit Wasser- oder Luftdruck in die Leitung eingestülpt – er kehrt sich dabei um, sodass die harzgetränkte Seite an die Rohrwand kommt. Beim Einzugverfahren wird der Liner eingezogen und anschliessend mit Druck aufgestellt. In beiden Fällen sorgt der Druck dafür, dass sich der Inliner lückenlos an die alte Wand anpresst und keine Hohlräume entstehen. Die Wahl des Verfahrens hängt von Leitungslänge, Durchmesser und Geometrie ab.

Die Aushärtung

Das Harz härtet je nach System durch Warmwasser, Dampf oder UV-Licht aus. Bei der UV-Härtung fährt eine Lichterkette durch den Glasfaserliner und vernetzt das Harz gleichmässig und schnell. Warmwasser- und Dampfhärtung erwärmen die gesamte Leitung. Die richtige Steuerung von Temperatur und Zeit ist entscheidend, damit der Inliner die volle Festigkeit erreicht und dauerhaft dicht bleibt. Fehler in dieser Phase lassen sich später kaum korrigieren – deshalb ist Erfahrung hier besonders wichtig.

Statik: tragend oder mittragend

Inliner werden nach ihrer statischen Funktion unterschieden. Ein mittragender Liner ergänzt die noch tragfähige Altleitung, ein voll tragender (autarker) Liner übernimmt die Statik allein – wichtig, wenn die alte Leitung ihre Tragfähigkeit weitgehend verloren hat. Die erforderliche Wandstärke wird anhand von Überdeckung, Grundwasser und Verkehrslast berechnet, damit der Inliner den Belastungen dauerhaft standhält. Diese statische Auslegung ist die Grundlage einer normgerechten Sanierung.

Anschlüsse und Nachbearbeitung

Beim Linern werden seitliche Anschlüsse zunächst überdeckt. Nach dem Aushärten öffnet ein ferngesteuerter Fräsroboter diese Anschlüsse wieder passgenau. Bei höheren Anforderungen können die Übergänge zusätzlich mit einem Hutprofil abgedichtet werden. Eine Abnahmebefahrung mit der Kamera dokumentiert abschliessend die einwandfreie Ausführung und dient als Nachweis für Eigentümer und Behörden.

Vorteile und Grenzen

Die Inliner-Technologie ist schnell, grabenlos, dicht und wurzelfest, verbessert den Abfluss und hält rund 50 Jahre. Ihre Grenze liegt dort, wo eine Leitung vollständig eingebrochen, stark versetzt oder auf einer Strecke nicht mehr passierbar ist – dann sind ergänzende Massnahmen oder eine Teilerneuerung nötig. Ob die Technik einsetzbar ist, klärt die vorgängige Kanal-TV-Inspektion zuverlässig. So erhalten Sie von Beginn an eine realistische Einschätzung, ob die grabenlose Lösung für Ihre Leitung in Frage kommt.

Wirtschaftlicher und ökologischer Nutzen

Weil kein Aushub anfällt, spart die Inliner-Technologie nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen: weniger Maschineneinsatz, weniger Transporte, kein Deponiematerial und keine langwierige Oberflächenwiederherstellung. Für Eigentümer bedeutet das eine kostengünstige, nachhaltige Werterhaltung – und für die Umwelt eine deutlich bessere Bilanz als bei einer kompletten Neuverlegung im offenen Graben.

Historisch betrachtet hat sich die Inliner-Technologie seit den 1970er-Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Anfangs dominierten warmwassergehärtete Nadelfilzliner, heute kommen zunehmend UV-gehärtete Glasfasersysteme zum Einsatz, die schneller aushärten, präziser kontrollierbar sind und eine hohe Materialfestigkeit erreichen. Parallel dazu haben sich die Roboter- und Kameratechnik für die Vorbereitung und Nachbearbeitung stark verbessert. Diese Entwicklung hat die Qualität und Zuverlässigkeit grabenloser Sanierungen so weit erhöht, dass sie heute in vielen Fällen der offenen Bauweise vorgezogen wird.

Für die Qualität einer Inliner-Sanierung sind letztlich drei Dinge entscheidend: die richtige Materialwahl, eine saubere Vorbereitung der Leitung und eine sorgfältig kontrollierte Aushärtung. Fehler in einem dieser Bereiche lassen sich später kaum korrigieren, ohne die Sanierung zu wiederholen. Deshalb ist die Wahl eines erfahrenen Fachbetriebs ebenso wichtig wie die Technologie selbst. Eine dokumentierte Abnahmebefahrung gibt Ihnen die Sicherheit, dass alle Schritte fachgerecht ausgeführt wurden und der Inliner seine volle Lebensdauer erreichen wird.

Interessant ist auch, dass sich die Inliner-Technologie nicht auf Abwasserleitungen beschränkt. Verwandte Verfahren kommen bei Trinkwasser-, Gas- und Industrieleitungen sowie bei Regenwasserkanälen zum Einsatz. Das Grundprinzip bleibt dabei stets dasselbe: eine bestehende Leitung von innen erneuern, ohne sie freizulegen. Für den Bereich des kommunalen und privaten Abwassers ist das CIP-Verfahren jedoch der mit Abstand häufigste Anwendungsfall – und dort seit Jahrzehnten erprobt. Diese breite Bewährung ist ein starkes Argument für die Zuverlässigkeit der Technik.

Möchten Sie wissen, ob sich Ihre Leitung mit der Inliner-Technologie sanieren lässt? Wir beurteilen den Zustand per Kamerabefahrung und erstellen eine verbindliche Offerte. Eine erste Orientierung gibt unser Richtpreis-Konfigurator. Karo Kanaltechnik ist im 24/7-Notfalldienst erreichbar – rufen Sie an unter +41 43 588 12 08.

NF

Nenad Filipovic

Autor · Karo Kanaltechnik GmbH

Schlagwörter

InlinerTechnologieRohrsanierungGrabenlos

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